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Wenn Hunde zu Co-Coaches werden – Im Gespräch mit Annika über Führung, Selbstfürsorge und die leisen Botschaften unserer Hunde

Es gibt diese besonderen Menschen, die durch ihre Arbeit mit Hunden Brücken schlagen – zwischen Herz und Verstand, zwischen Mensch und Tier, zwischen Alltag und innerem Gleichgewicht. Eine davon ist Annika, die mit ihrem Hund Mallow Führungskräfte und Selbständige mit ihrem hundegstützten Coaching begleitet.

In diesem Blogartikel möchte ich dir Annikas Arbeit vorstellen – und gleichzeitig zeigen, wie sie sich von meiner eigenen Tätigkeit unterscheidet. Denn auch wenn uns beide die Liebe zum Hund verbindet, gehen wir unterschiedliche Wege – und beide sind wertvoll auf ihre Weise.

Wie alles begann – Annikas Weg ins hundegestützte Coaching

Frage: Erinnerst du dich an den Moment, in dem dir klar wurde: Das ist mein Weg – ich begleite Führungskräfte und Selbständige mit der Unterstützung von meinem Hund Mallow?

Annika: „Weißt du… es war gar nicht dieser eine magische Knall-Moment, wie man ihn aus Filmen kennt. Damals war ich in Mainz in einem Teilzeitjob, pendelte vier Tage, machte einen halben Tag Homeoffice. Ich hatte schon meine systemische Coaching-Ausbildung abgeschlossen, weil ich gesehen habe, wie viele Frauen sich im Job kaputt arbeiten, nach Hause rasen, Haushalt und Familie jonglieren – und dabei komplett auf der Strecke bleiben. Dann kam Corona. Plötzlich war ich ganz im Homeoffice – und viel näher mit meinem Hund Milow. Er war mein Seelenhund. Als er krank wurde und schließlich ging, hat er mir ein großes Geschenk hinterlassen: die Klarheit, dass ich mein Leben so gestalten möchte, dass mein Hund an meiner Seite ist – nicht nur nebenher. Kurz darauf ploppte eine Facebook-Anzeige auf: ‚Dein Hund im Coaching‘. Ich dachte sofort: Okay, Universum, ich hab’s verstanden. Und so ging’s los.“

Was Hunde uns lehren können – besonders in Führungsrollen

Frage: Was würdest du sagen, können Hunde uns über uns selbst lehren – gerade für Menschen in Führungspositionen?

Annika:
„Eine ganze Menge! Hunde sind Meister in drei Dingen, die auch gute Führungskräfte brauchen:

  1. Sich selbst und andere führen. Wer sich selbst nicht führen kann, kann auch kein Team führen.

  2. Klare Kommunikation. Hunde spüren sofort, wenn Worte und Energie nicht zusammenpassen.

  3. Grenzen setzen. Nicht aus Härte, sondern aus Klarheit.

Und dazu noch: Im Hier und Jetzt sein. Hunde machen keinen Feierabend mit schlechtem Gewissen – sie zeigen uns, wie wichtig es ist, loszulassen und einfach zu genießen.“

Brauchen nur Hundemenschen hundegestütztes Coaching?

Frage: Erkennst du in deinen Coachings erfahrene und unerfahrene Hundehalter? Und brauchen „Hundemenschen“ überhaupt ein hundegestütztes Coaching?

Annika: „Ganz ehrlich: Das macht null Unterschied. Jeder kommt aus seiner Komfortzone, egal ob mit oder ohne Hund. Manchmal braucht es genau den fremden Hund als Spiegel – denn der eigene kennt dich in- und auswendig. Aber ein Hund, den du nicht kennst, reagiert ehrlich und ungefiltert auf deine Energie. Genau da liegt das Lernfeld.“

Seniorenhunde – zwischen Dankbarkeit und Sorge

Frage: Hast du schon Menschen in deinen Coachings erlebt, die einen Seniorenhund haben? Welche Themen beschäftigen sie?

Annika: „Das Spannungsfeld ist riesig: Einerseits Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre, andererseits die Sorge um die Zukunft. Themen wie Veränderungen im Alltag, Gesundheit und Loslassen tauchen immer wieder auf. Ein Seniorenhund zeigt uns oft: Bin ich wirklich präsent? Oder renne ich noch durchs Leben, als wäre alles selbstverständlich? Die Chance liegt darin, diese Zeit bewusst und liebevoll zu gestalten – nicht in Angst, sondern in Dankbarkeit.“

Wenn Hunde spiegeln, was wir uns selbst nicht eingestehen

Frage: Viele spüren, dass ihr Hund mitfühlt. Wie erklärst du dir das?

Annika: „Wir denken, wir wählen unseren Hund. Aber oft wählt er uns. Hunde nehmen Energien auf, die wir selbst kaum aushalten, und spiegeln sie in ihrem Verhalten. Ein Beispiel: Eine Kundin war total gestresst. Mallow sollte mit ihr laufen – aber er zog partout in die andere Richtung. Sie war genervt. Doch was passierte? Er spiegelte ihre innere Anspannung. ‚So nicht‘, sagte er ihr quasi. Und genau da passierte das eigentliche Coaching.“

Ein Tipp für unruhige Momente

Frage: Wenn der Mensch merkt, dass sein Hund unruhig ist – und er selbst auch – was wäre dein erster Tipp?

Annika: „Geh raus – allein, ohne Hund, ohne Handy. Atme tief, komm bei dir an. Frag dich: Was würde mir jetzt guttun? Oft verändert sich dann auch sofort die Energie – und dein Hund spürt das.“

Loslassen lernen – die schwerste Aufgabe

Frage: Was möchtest du Menschen mit Seniorenhunden sagen, die denken: Ich schaffe das nicht – weder zeitlich noch emotional?

Annika: „Ich kenne das so gut. Als mein Seelenhund Milow ging, fühlte es sich an, als ginge ein Stück meines Herzens mit. Und doch habe ich ihn weiter gespürt. Mein Rat: Genieße die gemeinsame Zeit. Sei präsent. Und wenn es schwer wird, hol dir Unterstützung. Loslassen bedeutet nicht, zu vergessen. Es bedeutet, dass unsere Hunde in uns weiterleben.“

Vom Spiegeln zum Begleiten – zwei Wege, die sich ergänzen

Wenn man Annika zuhört, spürt man sofort, wie kraftvoll ihre Arbeit ist. Mit Mallow an ihrer Seite zeigt sie Menschen, welche Muster sie blockieren, wo Klarheit fehlt und wie sehr Hunde uns durch ihr ehrliches Spiegeln wachsen lassen können. Ihre Erfahrungen machen deutlich: Hunde sind nicht nur Gefährten, sie sind Lehrer – unbestechlich, präsent und voller Botschaften.

Auch in meiner Arbeit begegnet mir dieses Spiegeln – jedoch in einem anderen Kontext. Als Tierheilpraktikerin schaue ich vor allem auf die körperlichen, emotionalen und mentalen Symptome der Hunde selbst. Viele meiner Klientinnen und Klienten wenden sich an mich, wenn ihr Hund älter wird, gesundheitliche Veränderungen zeigt oder durch Stress aus der Balance geraten ist.

In diesen Momenten begleite ich nicht nur das Tier, sondern auch den Menschen an seiner Seite. Denn wenn ein Hund Beschwerden entwickelt oder sichtbar altert, gehen bei vielen Halter*innen Unsicherheit und Sorgen Hand in Hand. Die enge Verbindung zwischen Körper und Psyche beim Hund zeigt sich dann besonders deutlich: Emotionale Belastungen spiegeln sich oft in Verdauung, Haut oder Verhalten. Meine Aufgabe ist es, beidem gerecht zu werden – dem Hund in seiner Gesundheit und dem Menschen in seiner emotionalen Stabilität.

So entstehen zwei verschiedene, aber eng verwandte Wege: Während Annika mit Coaching und Hund die innere Klarheit des Menschen stärkt, begleite ich Hund und Mensch in Phasen von Veränderung, Krankheit und Alter. Beide Ansätze schenken Vertrauen, Verbindung und die Gewissheit, nicht allein durch diese Prozesse gehen zu müssen.

Zwei Wege, ein gemeinsames Anliegen

Annikas Arbeit zeigt eindrücklich, wie Hunde uns Menschen den Spiegel vorhalten und damit wertvolle Impulse für Selbstführung, Klarheit und innere Balance schenken.
Meine Arbeit ergänzt diesen Blick von einer anderen Seite: Ich begleite Hunde, die körperliche oder emotionale Symptome zeigen oder ins Alter kommen – und gleichzeitig ihre Menschen, die in dieser besonderen Zeit Halt, Sicherheit und Orientierung brauchen.

Beide Ansätze berühren unterschiedliche Ebenen – und doch verfolgen sie dasselbe Anliegen:
Mensch und Hund in ihrer Verbindung zu stärken, Bewusstsein zu schaffen und Vertrauen in den gemeinsamen Weg wachsen zu lassen.

Im Gespräch mit Annika Fischer – hundegestütztes Coaching