Im Gespräch mit Anja Wendel
Über Zeit, die einem gehört. Und einen Manteltiger, der einfach kam.
Es gibt Briefe, die Du einmal liest und weglegst. Und es gibt welche, die Du eine Woche später noch in der Hand hältst, weil ein Satz Dir nicht aus dem Kopf geht. Anja Wendels Antworten gehören in die zweite Kategorie. Ich hatte ihr ein paar Fragen geschickt, ohne ein bestimmtes Bild davon, was zurückkommt. Was zurückkam, hat mehr mit Präsenz zu tun als jedes Lehrbuch dazu.
Wir kennen uns schon viele Jahre. Anja lebt in Mörstadt, auf einem Bauernhof, mit Familie und mit einer ganzen Schar geretteter Tiere, sie schreibt Bücher, sie hält Kurse und Workshops und sie begleitet Menschen, die mit Fragen zu ihr kommen, für die der Alltag keinen Platz mehr hat und gelichzeitig hält sie den Hof zusammen, mit allem, was dazugehört. Über das, was Anja in der Welt tut, kommen wir weiter unten noch.
Ich nehme Dich heute mit in den Brief. Nicht weil er Antworten hat, die für jede Frage passen. Eher weil er zeigt, was Präsenz im Moment heißen kann, wenn jemand sie tatsächlich lebt. Du musst dafür Anjas Welt nicht teilen. Du darfst zwischen den Zeilen lesen. Und Du darfst beim Lesen Pausen machen.
Zeit gehört Dir, nicht Du der Zeit
Ich hatte sie gefragt, wie sie mit der heutigen Zeit umgeht. Mit der Hektik, der ständigen Erreichbarkeit, dem Gefühl, hinterherzulaufen. Ihre Antwort beginnt mit zwei Sätzen.
„Nun, das ist ganz einfach. Ich bestimme sie, die Zeit. Sie ist relativ und liegt immer im Empfinden jedes Wesens selbst. Meine Uhr tickt in einem Rhythmus, der für mein Wohlbefinden zuträglich ist. “
Lass das einen Moment stehen. Sie klinkt sich nicht aus dem System aus, sie sagt, dass das System ihr nicht den Takt vorgibt. Sie spielt mit künstlicher Intelligenz, indem sie Bilder ihrer Hunde in lustige Detektivgeschichten verwandelt und damit ein Lächeln an die Menschen verschickt und mittendrin schreibt sie diesen einen Satz.
„Die Zeit um mich verschwimmt, der Geist der Menschen mit ihr. In meiner Zeit ist alles klar und bunt.“
Das ist eine Erlaubnis. Eine Erlaubnis, die Du Dir vermutlich seltener gibst, als Du es eigentlich solltest.
- Sich Zeit zu nehmen, den Rhythmus zu wählen, der zu Dir passt,
- nicht zu hetzen, nur weil andere hetzen,
- sich daran zu erinnern, dass die Uhr neben dem Sofa keine Autorität hat.
Und sich am Ende selbst zu glauben, wenn man spürt, dass dieser Tag einen ruhigen Rhythmus braucht.
Du bist nicht zu langsam, wenn Du Dich für diesen Rhythmus entscheidest. Du nimmst nur wahr, was viele übersehen. Dass Zeit etwas ist, das Dir gehört.
Arthos kam einfach und brachte etwas zurück
Es folgt der Teil des Briefes, der mich seit Tagen umgibt. Anja hatte einen großen Bruder. Sie schreibt von ihm so, als säße sie Dir gerade gegenüber.
„Als ich Kind war, hatte ich einen großen Bruder. Er war mein Liebstes und beschützte mich oft vor emotionalen und körperlichen Übergriffen. Wenn es daheim so schlimm war, dass ich dachte, ich könne es nicht ertragen, holte er mich zu sich.“
Er hatte immer Deutsche Doggen. Sie waren grau. Anja wünschte sich heimlich einen Manteltiger, eine sehr selten gefleckte Variante der Dogge. Eine kleine Sehnsucht aus der Kindheit, ein Bild, das in ihr blieb.
2022 starb ihr Bruder. Die Welt stand still, schreibt sie. Anja ist ein Mensch, der mit anderen Wahrnehmungsebenen vertraut ist. Sie konnte ihn dort nicht finden, wo sie sonst Menschen findet.
„Er war einfach weg. Ungreifbar, selbst für mich.“
Drei Monate vergingen. Dann mistete sie eines Tages den Stall aus und schaltete das Radio an. Es lief “Shine on” von Pink Floyd, das Lied seiner Beisetzung und gleichzeitig ihr gemeinsames Lied. Sie wunderte sich, weil der Sender sonst andere Musik spielte. Im Auto lief es wieder, dann im Badezimmer, in der Küche und im Fernsehen. Drei Wochen lang, jedes Gerät, sobald sie es einschaltete.
„Eine Berührung von seiner Seele an meine Seele.“
Du musst diese Deutung nicht teilen. Du darfst sie auch nicht teilen. Was als Nächstes geschah, gilt trotzdem.
Kurz vor Weihnachten rief die Tierrettung an. Ein Hund in Kassel war in Not und ein Pflegeplatz wurde bis Januar gesucht. Anja sagte zu, obwohl bereits drei Hunde im Haus lebten. Sie wartete bis fast Mitternacht. Aus dem Auto sprang ein zwölf Wochen alter Manteltiger mit riesigen Pfoten und einer weißen Schwanzspitze. Anja nannte ihn Arthos. Spitznamen: Aribert oder Artschi. Ein paar Tage später lasen sie in den Papieren des tschechischen Züchters, das dieser ihn Arthush genannt hatte.
Was mich an dieser Stelle wirklich beeindruckt, ist nicht die Mystik. Es ist Anjas Bereitschaft, ein Zeichen ernst zu nehmen. Sie hat in dem Moment, in dem sie alles zerdenken hätte können, einfach gehandelt. Sie hat nicht überlegt, nicht abgewogen, nicht gegoogelt. Sie hat lediglich zugehört und sie hat entschieden.
„Seit Arthos bei mir ist, rieche ich hin und wieder - meinen Bruder. Und er gab mir all meine Kraft und Liebe zurück, die ich verloren hatte. Er brachte sie einfach mit. Für mich ist er das Geschenk meines Bruders.“
Du brauchst keine spirituelle Praxis dafür. Du brauchst nur ein Innen, das Dir Signale gibt, und ein Außen, das aufmacht, wenn diese Signale kommen. Wie oft hat Dein Innen Dir etwas gesagt, das Du überhört hast? Wie oft hast Du an Deinem Tier etwas wahrgenommen, das Du zur Seite geschoben hast? Wie oft warst Du Dir sicher, obwohl niemand Dich bestätigt hat? Und wie oft hattest Du am Ende recht?
Du bist nicht zu sensibel. Du nimmst wahr, was viele übersehen.
Was Tiere von uns sehen
Ich hatte sie auch gefragt, ob sie mit Tieren arbeitet und ob sie sie als weniger geprägt erlebt als Menschen. Ihre Antwort hat einen Ton, den ich kenne.
Anja nennt es Frequenz. Ich nenne es Wahrnehmung. Wir meinen dasselbe. Tiere sehen Dich nicht oberflächlich an. Sie sehen, wie es Dir gerade geht.
- Sie spüren, wenn Du angespannt bist, sie spüren, wenn Du etwas trägst, das Du noch nicht ausgesprochen hast.
- Sie spüren, wenn Du gerade nicht in Deinem eigenen Körper wohnst. Und sie warten, dass Du wieder ankommst.
Daraus folgt etwas, das ich Dir mitgeben möchte. Wenn Dir an Deinem Tier etwas seltsam vorkommt, ist die erste sinnvolle Frage nicht „Was hat es?“. Die erste sinnvolle Frage ist „Wo bin ich gerade?“. Wie atme ich. Was trage ich heute, das ich nicht ausgesprochen habe. Welche Sorge habe ich schon seit Wochen mit mir herumgetragen. Welche Freude habe ich kleingehalten. Und wenn ich diese Fragen wirklich ernst nehme, finde ich noch eine ganze Reihe weiterer Stellen, an denen ich mich selbst neu einsortieren kann.
Wenn Anja von Magie spricht
Es gibt eine Stelle im Brief, bei der ich erst einmal innegehalten habe. Ich hatte Anja gefragt, was sie meint, wenn sie sich selbst Alchimistin nennt. Sie hätte ausweichen können, aber sie hat es nicht getan.
„Nun, das sind wir alle. Jedes Wesen mit einem freien Willen trägt Magie, also altes, in den Genen verwurzeltes Wissen, in sich. Es liegt an jedem selbst, ob und wie er diese nutzen möchte.“
Das ist keine Hexenromantik. Das ist eine sehr nüchterne Aussage über das, was wir alle in uns tragen. Wissen, das nicht in Büchern steht, Wahrnehmung, die niemand zertifiziert hat, Klarheit, die wir uns selbst beibringen, wenn niemand sie uns abnimmt und Verantwortung dafür, was wir damit machen oder eben nicht machen.
Ich hatte sie auch gefragt, was sie den Menschen sagt, die bei dem Begriff „schwarze Magie“ die Tür zumachen. Ihre Antwort hat einen Klang, den ich mag.
„Ganz ehrlich? Das ist mir völlig egal. Wer nicht offen ist und fragt, hat auch keine Antwort zu erwarten. Es ist nicht meine Aufgabe, in prophetischen Reden zu erklären, dass das Schwarze und Dunkle nicht mit Böse gleichzusetzen ist.“
Sie zwingt niemanden in ihre Welt. Sie steht klar zu ihrer Sicht. Sie überlässt Dir die Entscheidung, ob Du mitgehst und sie räumt allen das Recht ein, sie zu bewerten, weil das, wie sie schreibt, ohnehin geschieht. Das ist eine Form von Würde, die selten so direkt sichtbar ist.
Dann kommt der Satz, an dem ich am längsten hängen geblieben bin.
„Die Absicht und der Zweck bestimmen über die Frequenzen. Jede Art von Beeinflussung ist schwarz, auch dann, wenn es gut gemeint und die Absicht weiß ist. Das Ergebnis zählt. So ist es immer.“
Lass mich Dir sagen, warum dieser Satz mich anhält. Du meinst es gut, Du willst, dass es Deinem Tier gut geht, Du willst, dass es Deinen Menschen gut geht, Du strengst Dich an, Du gibst Dein Bestes, Du übernimmst Verantwortung. Und manchmal merkst Du am Ende, dass genau diese Mühe nicht ankommt. Dass Dein Tier ruhiger geworden wäre, wenn Du ruhiger gewesen wärst. Dass Dein Gegenüber sich geöffnet hätte, wenn Du selbst nicht so dicht gewesen wärst.
Anja sagt es ganz nüchtern. Die Absicht zählt nicht allein. Die Wirkung zählt mit. Das heißt nicht, dass Du schuld bist. Es heißt: Schau erst hin, bevor Du handelst. Bring Dich selbst zur Ruhe, bevor Du jemanden zu beruhigen versuchst. Sortiere Dein Inneres, bevor Du das Äußere ordnest. Und gönne Dir den Moment, in dem Du nichts musst.
Das ist ein anderes Maß für Verantwortung. Verantwortung wird hier nicht mehr Tun. Sie wird klareres Tun. Aus einer Stelle in Dir, an der Du selbst gerade gut sitzt.
Und genau an dieser Stelle bemerke ich für mich selbst, dass Anja und ich die gleiche Haltung haben und in die Welt tragen. Doch jede ganz individuell und auf ihre ganz eigene Weise.
Vor der Tür anklopfen
Eine andere Frage bewegt mich seit Jahren. Sie steht im Brief in einer Antwort, die Du Dir auf eine kleine Karte schreiben könntest.
Ich hatte Anja gefragt, was jemand wissen sollte, bevor er zu jemandem geht, der wie Anja arbeitet. Anja antwortet so.
„Nichts. Absolut gar nichts. Die Person sollte es spontan, aus einem Impuls heraus entscheiden, dann ist der erste Gedanke der Richtige. Oder sie entscheidet aus einem Gefühl heraus, dann ist ihr Gefühl ein guter Ratgeber.“
Erwartungslosigkeit als Erlaubnis. Du brauchst keine Frageliste, keinen Plan, oder eine Vorstellung davon, was passieren soll. Du brauchst Dich nur selbst.
„Geht sie mit einer Grunderwartung an diese Tür heran, so wird sich diese anders öffnen, als sie dachte. Auch das ist wundervoll und sie wird, ganz gleich wie sie es tut, eine Erfahrung mitnehmen dürfen. Es gibt also gar nichts, was sie falsch oder richtig machen kann. Wichtig ist, dass sie es tut, wenn sie es will.“
Und dann ein Satz, den ich Dir mitgebe, weil er aufräumt.
„Menschen verkomplizieren und zerdenken so viele Entscheidungen. Dabei gibt es immer nur zwei Möglichkeiten:
- Ich will etwas, dann tu ich es.
- Ich will etwas nicht, dann lass ich es.
Dazwischen liegt nur vergeudete Kraft und Zeit.“
Nimm Dir kurz Zeit und prüfe, welche Entscheidung in Deinem Kopf gerade kreist. Welche Du seit Wochen hin und her wendest. Welche Du eigentlich längst getroffen hast. Welche Du Dir noch nicht erlauben magst. Und welche Du gerade in eine Komplexität packst, die sie nicht braucht.
Geliebter Tod
Anja hat ihre Geschichte aufgeschrieben. Das Buch heißt „Geliebter Tod“ und ist 2024 erschienen. Sie hat darin viel von dem zugelassen, was sie im Brief nur am Rand andeutet. Auf meine Frage, für wen sie das getan hat, antwortet sie zuerst mit vier Worten.
„In erster Linie für mich.“
Und dann öffnet sie es nach außen.
„Darüber hinaus für die Menschen, die Leid in sich tragen. Denn sie werden sich in meiner Geschichte wiederfinden, angeregt ihre Türen zu öffnen und ihr Haupt zu heben. Viele Leser haben ihren Mut in sich gefunden. Den Mut, über altes Leid zu sprechen.“
Es ist ein sehr besonderes Buch, weil es keine glatte Verarbeitung leistet. Es klingt nach Anja. Klar und manchmal unbequem, oft warm, aber immer ehrlich und an unerwarteten Stellen sehr freundlich zur Leserin. Wer hellsichtig wurde, ohne darum gebeten zu haben, findet darin einen Blick, der nicht beschönigt. Wer einen Bruder oder eine Schwester oder einen anderen Menschen verloren hat, findet ein Gegenüber, das nicht relativiert.
Falls Du neugierig bist: „Geliebter Tod“ · ISBN 9783759825735. Du brauchst nichts vorzubereiten, um es zu lesen. Du brauchst nur die Bereitschaft, dass es Dich an Stellen anfasst, an denen Du sonst nichts ranlässt.
Und wenn Du gerade selbst etwas trägst, das noch keinen Platz gefunden hat, dann ist Anjas Hinweis aus dem Brief auch für Dich gemeint. Schreib auf, was Du in Dir hast. Drei Sätze am Abend reichen. Eine halbe Seite am Sonntag. Beobachtungen, die nicht direkt ein Ziel haben müssen. Notizen, die Du Dir später vielleicht wieder durchliest. Du wirst überrascht sein, wie viel sich in Worten sortiert, das in Gedanken nur kreiste.
Schreiben ist kein literarisches Projekt. Es sind Spuren. Spuren, die Du anlegst, damit Du sehen kannst, woher Du kommst.
Zeit für mich
Am Ende des Briefes kommt Anja zur Frage zurück, mit der das Gespräch begonnen hat. Wann sie Zeit für sich hat. Ihre Antwort schließt alles vorher Gesagte in einen ruhigen Bogen.
„Immer genau dann, wann ich sie mir nehme. In meiner Welt werden Minuten zur Ewigkeit. Ich sinke hinein, betrete andere Dimensionen, regeneriere, erlebe oder sitze in Stille an einem schönen Ort. Zeit für mich habe ich aber auch 24 Stunden im Hier und Jetzt. Jeden Tag. Auch dann, wenn ich im Büro arbeite, so ist es doch meine eigene Zeit, und ich tue es für mich.“
Und sie schließt mit zwei Sätzen, die ich seither in unterschiedlichen Lebenslagen anwende.
„Unsere Zeit ist nicht schnellebig. Unsere Zeit ist neutral. Die kollektive Wahrnehmung macht sie zu etwas Schnellebigem und erzeugt Druck und Stress.“
Sie hatte am Anfang gesagt, Zeit sei Empfinden. Sie endet bei der Aussage, Zeit sei neutral. Wer beide Sätze nebeneinanderlegt, sieht eine Person, die ihren eigenen Takt gefunden hat. Nicht im Rückzug. Nicht im Verzicht. Sie hat einfach beschlossen, dass das, was draußen lärmt, in ihr noch lange nicht ankommen muss.
Du darfst das auch. Du darfst entscheiden, was Du an Dich heranlässt. Du darfst Stress als kollektive Wahrnehmung erkennen und Dich aus ihr herausnehmen. Du darfst Minuten, die andere klein machen, für Dich groß werden lassen. Und Du darfst Dir am Ende erlauben, dass Du diese Erlaubnis brauchst, weil sie niemand gibt außer Dir selbst.
Anja´s Welt aus der Nähe
Vielleicht hast Du beim Lesen gemerkt, dass Anja keine Person ist, die sich verkauft. Sie zeigt, was sie tut, und überlässt Dir, ob Du eintreten möchtest. Falls Du neugierig bist, gibt es ein paar Wege in ihre Welt hinein.
Anja lebt in Mörstadt in Rheinhessen, auf einem Bauernhof, mit ihrer Familie und einer ganzen Schar Tiere, die sie ihre Kinder nennt. Sie arbeitet seit über vierzig Jahren mit Menschen. Gelegentlich kommen Kinder und Tiere dazu. Sie bietet Beratungen an. Sie übt, was sie auf ihrer Webseite Energiearbeit nennt. Sie hält Hypnose. Sie führt Ritualarbeit. Und sie unterrichtet in Seminaren und Workshops, für alle, die selbst lernen möchten, mit den eigenen Wahrnehmungen umzugehen. Termine vereinbart sie Dienstag und Donnerstag zwischen vierzehn und achtzehn Uhr, am Samstag und Sonntag auf Anfrage.
Wer eintreten möchte, ohne gleich einen Termin zu wollen, kann mit ihrem Buch anfangen. „Geliebter Tod“ · ISBN 9783759825735 erzählt von ihrer Verbindung zum Tod, die sie seit Kindertagen begleitet. Eigenwillig im Titel, ehrlich im Ton, klar in der Stimme, warm an unerwarteten Stellen. Wer es liest, weiß danach, ob ein persönliches Gespräch der nächste Schritt sein könnte.
Ihre Webseite heißt wahrsagerei-wendel.de und ist persönlich gestaltet. Sie ist nicht poliert, nicht inszeniert, nicht auf Suchmaschinen optimiert und auch nicht auf Klicks getrimmt. Du findest dort Anjas eigene Worte, ein Kontaktformular, eine Galerie, Hinweise auf aktuelle Workshops und Seminare. Wer mehr über sie selbst lesen möchte, geht auf die Unterseite „Über mich“. Was dort steht, klingt nach derselben Person, die mir den Brief geschickt hat.
Du musst keine Erwartungen mitbringen. Anja sagt es selbst.
„Es gibt also gar nichts, was sie falsch oder richtig machen kann. Wichtig ist, dass sie es tut, wenn sie es will.“
Was bleibt, wenn der Brief weggelegt ist
Wenn ich Anjas Brief jetzt weglege, bleiben fünf Sätze hängen. Du kannst sie für Dich anders sortieren. Bei mir sind es diese.
Zeit gehört Dir. Du bestimmst, was an Dich herankommt und in welchem Tempo.
Dein Innen weiß. Wenn etwas in Dir Ja sagt, ist es meistens ein zuverlässigerer Ratgeber als der Plan, den Du Dir zurechtgelegt hast.
Tiere lesen Dich. Wenn Du Dich besser liest, ändert sich, wie Dein Tier Dich erlebt.
Die Absicht zählt nicht allein. Die Wirkung zählt mit. Schau erst nach innen, bevor Du nach außen handelst.
Du musst nichts mitbringen, um anzukommen. Weder Erwartung noch Wissen noch Vorbereitung. Du darfst kommen, wie Du bist. Und Du darfst auch wieder gehen.
Und ja, wenn ich ehrlich bin, gibt es noch eine ganze Reihe leiserer Punkte in diesem Brief, die nur Du beim Lesen für Dich finden wirst.
Präsenz im Moment ist kein großes Wort. Bei Anja ist es ein sehr kleines. Es heißt, da zu sein, wo Du gerade bist, mit dem, was gerade ist, ohne zu glauben, Du müsstest woanders hin. Es heißt, ein Lied wahrzunehmen, wenn es Dir zugespielt wird. Es heißt, einen Anruf anzunehmen, ohne den Plan zu Ende zu rechnen. Es heißt, in einem Tier den Zustand zu sehen, der auf beiden Seiten gerade ist. Und es heißt, einer Minute zu erlauben, eine Ewigkeit zu sein.
Anja schließt ihren Brief mit einem einzigen Wort.
„Strahle.“
Vielleicht ist das die genaueste Übersetzung von Präsenz, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.
Ich danke Dir, Anja, für dieses Gespräch. Und ich danke Dir, die Du gerade liest, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Auch das ist Präsenz.